Pressemitteilung zum Ausschluss dreier Buchläden vom Buchhandlungspreis im März 2026

9. März 2026

Die Frankfurter Buchhandlungen Autorenbuchhandlung Marx & Co, Karl Marx Buchhandlung und Land in Sicht Buchladen verurteilen den Ausschluss dreier Buchhandlungen vom aktuellen Buchhandlungspreis und kritisieren das Verhalten von Kulturstaatsminister Weimer in einem gemeinsamen Statement.


Als Buchhandlungen haben wir es uns zum Ziel gesetzt, mit unserem Programm und unseren Veranstaltungen das kulturelle Angebot in Frankfurt am Main zu bereichern und für neue Perspektiven zu öffnen. Wir wollen Literatur und Wissenschaft in all ihren Facetten für jede Person zugänglich machen. Dafür ist Haltung nötig, auch und in vielen Fällen sogar besonders eine politische. Wir alle haben uns sehr darüber gefreut, dieses Jahr mit dem Buchhandlungspreis ausgezeichnet worden zu sein. Dieser Ausdruck der Wertschätzung und das damit verbundene Preisgeld wird von uns, wie von den allermeisten unabhängigen Buchhandlungen, benötigt und genutzt, um gerade dieses Angebot zu wahren, um Zugänge zu ermöglichen und gerade kleine Verlage und ihr vielfältiges Programm dem Publikum präsentieren zu können.


Umso irritierter sind wir, dass dieser Buchhandlungspreis drei Buchhandlungen, die diese Haltung teilen, denen wir in ihrer politischen und inhaltlichen Ausrichtung nahestehen, die wie unsere Läden als Kollektive geführt werden, nun aberkannt wird. Wir fordern mit Nachdruck, dass die beispiellose Entscheidung von einem unabhängigen Preisvergabeverfahren nachträglich auszuschließen, rückgängig gemacht wird und dass die Vorgänge die zu dieser Entscheidung geführt haben restlos aufgeklärt werden. Und wir sind bereit unsere betroffenen Kolleg*innen in jedweder Hinsicht zu unterstützen.


Unsere Kritik gilt dem Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. Nicht nur weil er dem Votum der unabhängigen Jury in einer intransparenten Weise widerspricht, sondern vorallem weil er diesen Preis für ein ungeheures politisches Manöver nutzt. Er macht deutlich, dass die Kriterien des Buchhandlungspreises nur sekundär zu sein scheinen, dass die Durchsetzung einer politischen Linie überwiegt. Für die Durchsetzung dieser politischen Linie greift er sogar auf den Verfassungschutz zurück. Damit stellt er unabhängige Buchhandlungen unter einen Generalverdacht, der sie in ihrem Engagement verunsichern soll und dieses Engagement auf lange Sicht verunmöglichen wird.


In Zeiten eines gesellschaftlichen Rechtsrucks Buchhandlungen unter Beschuss zu nehmen, die sich mit ihrem Sortiment, ihren Veranstaltungen und ihrer schieren Präsenz antidemokratischen Kräften in den Weg stellen, kann nicht anders verstanden werden als eine Unterstützung eines rechten Kulturkampfes. Die Entscheidung des Ministers zeigt mit welchen Herausforderungen wir uns als unabhängiger Buchhandel und in der Literaturlandschaft heute auseinandersetzen müssen.


Wir werden mit unseren Buchhandlungen weiter für einen solidarischen und politisch engagierten Buchhandel einstehen und uns mit unserer täglichen Arbeit dafür einsetzen.

Autorenbuchhandlung Marx & Co
Karl Marx Buchhandlung
Land in Sicht Buchladen

Einladung: Prismen. Dienstag, 3. Februar, 20 Uhr

Autoritarismus als Krisenbearbeitung. Über die psychosozialen Dynamiken des Rechtsrucks

Markus Brunner und Saskia Gränitz im Gespräch mit Ann-Katrin Kastberg

Das Erstarken rechter Bewegungen, die Wahlerfolge antidemokratischer Parteien und die Verbreitung menschenfeindlicher Einstellungen: Die Gegenwart zeigt mit neuer Schärfe, was die Kritische Theorie seit ihren Anfängen unter dem Begriff des Autoritarismus zu verstehen versuchte. Anknüpfend an diese Tradition widmet sich die Doppelbuchvorstellung den psychosozialen Bedingungen des Rechtsrucks entlang der Frage, inwiefern Autoritarismus als Form der Krisenbearbeitung verstanden werden kann. Denn dass sich wachsende Teile der Bevölkerung für das rechte »Ticket« entscheiden, hängt sowohl mit der gesellschaftlichen Lage als auch damit zusammen, wie Menschen psychisch damit umgehen.

Markus Brunner stellt in seinem Buch die vielfältigen Überlegungen der Frankfurter Schule zum Thema dar, zeichnet aktuelle Debatten nach und plädiert für eine dynamisierte Perspektive in der Autoritarismusforschung. Saskia Gränitz zeigt in ihrer Studie, in der sie die Bewältigung von Wohnungsnot untersucht hat, wie autoritäre Krisenbearbeitung im Subjekt konkret vor sich geht. An Fallbeispielen möchten die Autor:innen schließlich mit Ann-Katrin Kastberg und dem Publikum über autoritäre Dynamiken sowie ihren Nährboden diskutieren.

Grundlage des Gesprächs ist das kürzlich von Markus Brunner erschienene Buch Sozialpsychologie des Autoritären. Zur Aktualität der Autoritarismusforschung der Frankfurter Schule. Gießen: Psychosozial-Verlag 2025 sowie Saskia Gränitz‘ kürzlich veröffentlichte Dissertation Wohnungsnot und Autori­tarismus. Subjektanalytische Zugänge zur psychosozialen Bewältigung prekären Wohnens. Wiesbaden: Springer VS 2025.

Markus Brunner ist Sozialpsychologe und Soziologe an der Sigmund Freud PrivatUniversität Wien.

Saskia Gränitz ist wissenschaftliche Mitarbeiterin und Referentin für Publikationen am Institut für Sozialforschung.

Ann-Katrin Kastberg ist Doktorandin am Institut für Sozialforschung und am Institut für Humangeographie an der Goethe-Universität Frankfurt a. M.